STADTHAUS SURSEE

Kategorie | Lehre

Modul | Architektur und Bestand

Lehrperson | Lando Rossmaier

Arbeit | Reto Rüfenacht & Fatos Gashi

Semester | Frühling 2016

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Bei unserer ersten Ortsbesichtigung in Sursee haben wir festgestellt, dass sich der Kontext besonders aus sehr homogenen, 3-geschossigen sowie farbigen, verputzten Bürgerhäusern zusammensetzt. Nördlich der Parzelle situiert, steht der bestehende Gebäudeteil, welcher umgebaut und umgenutzt werden soll. Südlich schließt ein kleiner Bachlauf die Parzelle ab und gegen Westen erstreckt sich ein eher ländlicher Garten. Unsere Absicht ist es, ein Gebäudekonglomerat zu entwerfen, welches die Grundharmonie, den Charakter und die Merkmale des Kontextes akzeptiert, diese aufnimmt und weiterwebt. Ein Haus, das die Identität des Ortes weiter stärken soll. Dabei soll der bestehende Gebäudeteil in seinem Ausdruck sowie der Struktur möglichst erhalten bleiben. Der neu gebaute Teil soll mit dem Bestand zu einer Einheit verschmelzen, gleichzeitig zu erkennen sein und in seinem Aussehen etwas moderner und eleganter wirken. Damit die gepflasterte Gasse, östlich der Parzelle, weiterhin erhalten bleibt, übernimmt der Anbau die Fluchten des gegenüberliegenden Gebäudes. Auf der westlichen Seite der Parzelle ist eine Außenfläche im kleinstädtischen Charakter für die Bewohner vorgesehen. Südlich zum kleineren Bachlauf wird das Haus, in gleicher Setzung wie die Nachbarsgebäude, direkt an den Bachlauf gesetzt. Somit erhält es einen klaren Abschluss und gibt der Außenfläche gegen Westen einen privateren Charakter.

Der Bestand sticht besonders durch Merkmale wie geringe Raumhöhen, nicht optimale Belichtung, dickes Mauerwerk sowie tiefe Leibungen hervor. Alles Merkmale, die vielmehr für privatere Räumlichkeiten werben. Deshalb ist die innenräumliche Idee des Projekts, die eher privaten Räume einer Wohnung, wie Schlafen und Nasszellen im Bestand unterzubringen. Der Neubau dagegen enthält das Essen, Kochen und Wohnen. Da der Essbereich einer Wohnung als besonders frequentierter Ort gilt, ist er unser Zentrum im neu angebauten Teil. Zentrum im Sinne einer Kommandozentrale, von wo aus, abgesehen von den Schlafräumen, alle Räume erschlossen und durch Sichtbeziehungen verbunden sind. Damit der bereits vorhandene Gebäudeteil möglichst auch vom Essen und den restlichen Räumen im Anbau zu erleben ist, sind Sichtbeziehungen durch den kompletten neuen Teil in den Bestand möglich. Um die beiden unterschiedlichen Traufhöhen des Anbaus und Bestandes, welche durch unterschiedliche Raumhöhen entstehen, zu verbinden, ist ein Verbindungselement vorgesehen. Eines das in der Volumetrie zum tragen kommt und zugleich die Nutzung des Treppenhauses enthält sowie den Eingang markieren soll. Es bildet nicht nur die Erschließung der jeweiligen Geschosse, vielmehr ist es ein identitätsstiftendes Merkmal des Gebäudekonglomerats. Damit der Bestand mit dem Anbau optisch harmoniert und zusammen gelesen werden kann, werden Elemente des Bestandes wie Sonnenschutz, Dachneigung, zweiflüglige Fenster, Fenstereinfassungen sowie die Haptik des Gebäudes auf den Neubau transferiert und modernisiert. Besonders der neue Sonnenschutz aus Blech gilt als gestalterisches Element, welches fassadenbündig vorgesehen ist. Einerseits kann damit eine möglichst moderne Wirkung erzeugt werden, anderseits soll die Leibungstiefe gering gehalten werden, um die Schlafräume von den Wohnräumen nicht zuletzt auch durch die Leibungstiefe zu differenzieren. Orientierend an den umliegenden Gebäuden wird die äußerste Fassadenschicht des neuen Gebäudeteils mit einem Kratzerputz ausgebildet. Damit der Neubau einen Sockel erhält, wird der bestehende in Beton weitergeführt. Als Abschluss des Hauses ist eine Ziegeleindeckung geplant. Farblich wird eine ähnliche Tönung, wie die bereits vorhandene Farbpalette des umliegenden Gebäudeensembles, angestrebt. Dabei soll der neue Teil mit einem pastellartigen hellblau etwas frischer und freundlicher in Erscheinung treten als der Bestand, welcher rötlich ausgebildet wird. Um dem Gebäude ein wenig Eleganz zu verleihen, werden sämtliche Fenstereinfas-sungen, Sonnenschutzelemente sowie Zierrahmen mit weiß realisiert. Die in etwas dunklerem, sichtbaren Holz realisierte Dachuntersicht bildet einen Kontrast, wodurch der Bezug zum Bestand aufrecht erhalten wird. Im Innenraum werden vor allem Farben und Materialien verwendet, die ihre Verwendung bereits im Außenraum finden. Dadurch wird der Bezug vom Äusseren zum Inneren erkennbar. Innenräumlich wird besonders auf das Einbaumöbel im Essraum, im Zentrum der Wohnung, Wert gelegt, welches im 50er Stil erbaut wird. Es besteht nicht nur aus Schränken und Tablaren, sondern beinhaltet auch Durchgänge, nicht sichtbare Steigzonen für die Gebäudetechnik oder ein Anschlagsbrett in der Familienwohnung. Das Möbel dient dazu das Zentrum der Wohnung zu untermauern.